Gedächtnistrainer Reinhold Vogt im Interview; Thema 'Gedächtnistraining'

 

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Interview zwischen Stéphane Etrillard und Reinhold Vogt
"Das merk ich mir!" - Weil das Gedächtnis ungenutzte Reserven hat

 

Ist das Gedächtnis von Managern längst überfordert? Machen die vielfältigen technischen Möglichkeiten das natürliche Gedächtnis inzwischen überflüssig? - Reinhold Vogt, der sich selbst als der innovative Lerntechnik- / Gedächtnistrainer Deutschlands bezeichnet, beantwortet kritische Fragen von Stéphane Etrillard vom Management Institute SECS, Düsseldorf.

 

 

Speziell Führungskräfte sind mit großen Informations-Mengen konfrontiert, zu deren Speicherung sie technische Hilfsmittel erfolgreich einsetzen. - Macht es überhaupt noch Sinn, sich um ein gutes natürliches Gedächtnis zu bemühen oder gar an einem Gedächtnistraining teilzunehmen?

Wenn wir uns fortbewegen, dann nutzen Pkws, Bahnen und Flugzeuge. Wenn es darum geht, Informationen zu speichern, dann setzen wir nicht nur die klassischen schriftlichen Aufzeichnungs-Methoden, sondern auch die schier unbegrenzten Möglichkeiten elektronischer Massenspeicher ein.

Wir sollten uns jedoch bewusst machen, für welche Informationen und in welchen Situationen wir die speziellen Vorzüge unseres natürlichen Gedächtnisses nutzen wollen. Es gibt eine Vielzahl von Gelegenheiten, in denen unser natürliches Gedächtnis noch immer allen technischen Medien weit überlegen ist.

 

Für die Rhetoriker in der Antike war es unverzichtbar, ihre sorgfältig vorbereiteten Reden frei aus der Erinnerung vorzutragen. Heutzutage wird jedoch von keiner Führungskraft erwartet, dass sie ihren Vortrag oder eine Präsentation auswendig gelernt hat.

Viele Vorträge und Präsentationen werden durch den Einsatz von Visualisierungs-Medien erst richtig eindrucksvoll und anschaulich. Diese modernen Medien sind hervorragende Hilfsmittel nicht nur für die Zuhörer, sondern auch für den Redner, weil die hiermit visualisierten Stichworte gleichzeitig die Impulsgeber für die entsprechenden Vortragsteile sein können. Die Zuhörer bemerken allerdings sehr rasch, ob sich ein Vortragender ausschließlich auf sein Rede-Manuskript oder seine Powerpoint-Folien stützt oder ob er kompetent genug ist, wichtige Punkte auch frei aus der Erinnerung vorzutragen.

Stellen Sie sich doch bitte mal einen Verkäufer vor, der einem Kauf-Interessenten die Vorteile eines neuen Produktes vermitteln möchte und dabei immer wieder auf einen 'Spickzettel' schielen muss!

Und welche Überzeugungskraft und Souveränität gehen andererseits von einem Redner aus, der eine Einführungs-Rede oder eine Argumentations-Kette frei aus der Erinnerung vortragen kann!

Oder denken Sie bitte an den Unterschied, der sich daraus ergibt, dass die eine Führungskraft die Mitarbeiter im Unternehmen immer nur mit einem "Hallo, wie geht's?" und die andere Führungskraft eine Vielzahl der Mitarbeiter jeweils auch mit deren Namen ansprechen kann. Zu Recht heißt es doch: "Der eigene Name ist das schönste Wort in jeder Sprache." - Speziell ein gutes Gedächtnis für die Namen von Kauf-Interessenten, von Kunden und anderen wichtigen Gesprächspartnern kann berufliche Erfolge erheblich erleichtern. Diese 'soft skills' (und damit der Nutzen von Gedächtnistrainings) werden häufig noch unterschätzt.

 

Ist im Kopf überhaupt noch genügend Platz, wo doch bereits so viele Informationen drin sind?

Das menschliche Gedächtnis ist nicht vergleichbar mit einem Kübel, der irgend wann einmal überläuft und auch nicht mit einer PC-Festplatte, deren maximale Kapazität eindeutig eingeschätzt werden kann.

Das menschliche Gedächtnis funktioniert eher wie ein Kletten-Ball, der aus lauter Einzel-Kletten besteht. Jede Klette besitzt viele klebrige und mit Widerhaken ausgerüstete Ärmchen, mit denen sie sich an anderen Kletten fest hält. Ein Ball mit wenigen Kletten hat eine kleine Oberfläche, an der sich weitere Kletten 'andocken' können. Die Oberfläche eines großen Klettenballs bietet dagegen sehr viel mehr Andock-Möglichkeiten für zusätzliche Kletten.

Klettenkugel - Modell fürs Gedächtnistraining

Genau so verhält es sich mit den Informationen in unserem Kopf: Je mehr Fachwissen zum Beispiel ein Mitarbeiter bereits besitzt, desto eher ist er in der Lage, ergänzendes Fachwissen aufzunehmen und zu behalten. Das Gleiche gilt für Namen und auch für Fremdsprachen-Kenntnisse. Die erste Fremdsprache zu erlernen, ist häufig am schwierigsten. Wer jedoch bereits fünf Fremdsprachen aus dem europäischen Sprachraum beherrscht, für den ist es deutlich einfacher, auch Japanisch zu erlernen als für einen Deutschen, der sich Japanisch als erste zu erlernende Fremdsprache ausgesucht hat.

 

Wenn es um Lern- / Gedächtnistechniken geht, fühlen sich viele Erwachsene an ihre Schulzeit erinnert - mit häufig unangenehmen Gefühlen. Führen solche Denk-Blockaden nicht schon von vornherein zu Misserfolgen?

In den Lerntechnik- / Gedächtnistrainings erlebe ich tatsächlich, dass manche Teilnehmer noch unter solchen negativen Eindrücken aus ihrer Schulzeit leiden. Um so größer ist jedoch deren Freude, wenn sie bereits in der ersten Stunde des Trainings erleben, dass auch ihr Gedächtnis zu völlig überraschenden Leistungen fähig ist.

Die allgemeinbildenden Schulen und die Universitäten thematisieren auch heute noch kaum das WIE des Lernens. Das liegt auch daran, dass es den Lehrern und den Professoren zu deren Schul- und Studienzeiten ganz genau so ergangen war.

Seit etwa 30 Jahren gilt die 'Lern-Kompetenz' zwar als eine der wichtigen 'Schlüsselqualifikationen', es wird aber wohl noch eine ganze Weile dauern, bis sich das entsprechende Know-how in den Schulen und den Unis verbreitet hat. Es muss das Ziel der Bildungs-Verantwortlichen werden, den Schülern und Studenten die erforderlichen Lern-Erfolge künftig effizienter, schneller und leichter zu ermöglichen.

Diese Forderung gilt in gleicher Weise aber auch für die betriebliche Bildungsarbeit: Auch dort werden noch immer erhebliche finanzielle Mittel und Anstrengungen der Lernenden vergeudet, weil man sich zwar zunehmend um neue technische Möglichkeiten kümmert, aber die spezifischen Erfordernisse des leichteren Einprägens / des Gedächtnis gerechten Lernens weiterhin vernachlässigt.

 

Führungskräfte sind meist nicht mehr im jugendlichen Alter, in dem das Lernen / Einprägen bekanntlich leicht fällt. Warum soll es möglich sein, seine persönlichen Gedächtnisleistungen auch als Erwachsener noch beträchtlich zu verbessern?

Die biologisch bedingte Lernfähigkeit erreicht zwischen dem 15. und dem 25. Lebensjahr ihre größte Ausprägung. Danach nimmt sie allmählich ab. Die biologische Lernfähigkeit ist allerdings nur eine von mindestens vier Grund-Voraussetzungen für die erfolgreiche Nutzung unseres Gedächtnisses.

Die beste natürliche Lernfähigkeit nützt nämlich überhaupt nichts, sofern es an der eigenen Motivation fehlt, sich mit den 'wichtigen' Informationen auseinander setzen zu wollen. Das wissen viele Eltern aus schmerzlichen Erfahrungen mit ihren schulpflichtigen Kindern. - Erwachsene Führungskräfte verfügen hingegen meist über die Einsicht, dass sie über eine ausgeprägte Lern- / Gedächtnisfähigkeit verfügen sollten, und sie sind häufig bereit, sich hierzu auch weiter zu entwickeln.

Im Laufe ihrer Kulturgeschichte haben die Menschen verschiedene Lern-/ Gedächtnistechniken entwickelt. Die ältesten in Europa bekannten Techniken sind mehr als 2.000 Jahre alt. Da weder die Lern- noch die Gedächtnistechniken typischerweise bereits im jugendlichen Alter kennen gelernt und eingeübt werden, ergeben sich im Erwachsenen-Alter auch deshalb noch ungeahnte Lern- / Gedächtnisreserven.

Erwachsene haben gegenüber Kindern und Jugendlichen zudem den Vorteil, dass sie über ein größeres Vor-Wisssen verfügen: Je mehr Wissen eine Person bereits hat, desto leichter fällt es ihr, neues Wissen 'anzudocken' - selbst dann, wenn es keine unmittelbaren Bezüge zwischen der neuen Information und dem Vorwissen gibt, siehe oben: Klettenball-Modell.

 

Warum unterscheiden Sie - als Lerntechnik- / Gedächtnistrainer - zwischen Lern- und Gedächtnis-Techniken?

Es gibt zahlreiche wirkungsvolle Lern-Techniken. Schon deren bloße Kenntnis reicht aus, um sie im Alltag erfolgreich einzusetzen; vorbereitende Übungen hierzu sind sicherlich hilfreich, aber keine notwendige Voraussetzung.

Gedächtnis-Techniken beruhen dagegen auf einer bestimmten Art des Denkens. ('Gedächtnis' kommt von 'gedacht'.) Hierfür ist zunächst ein intensives Einüben erforderlich, um diese Art des Denkens zu beherrschen. Ansonsten bliebe es bei einem 'Eunuchen-Wissen': Man weiß zwar, wie's geht, aber ....

In meinen monatlich erscheinenden kostenfreien memoNews stelle ich seit vielen Jahren jeweils ausgewählte Beispiele zu Lern- und zu Gedächtnis-Techniken vor. Etwa 10.000 LeserInnen wissen das zu schätzen - siehe hier.


Herzlichen Dank, Herr Vogt, für das Gespräch!

 

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Anmerkung:

  • Innerhalb des eintägigen memoReport -Gedächtnistrainings werden Lern- und Gedächtnistechniken bearbeitet;

  • bei den eintägigen Gedächtnistrainings memoNetz  und memoHistory  liegt der Schwerpunkt auf Gedächtnistechniken.

Tabelle / Übersicht zu den unterschiedlichen Gedächtnistrainings

 

 

 

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