Meinungsstreit zu 'morsen lernen'

 

Das merk ich mir: memoPower.de

 

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Zitat (Text eines Morse-Profis):

 

Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit? Sprechen haben Sie schnell gelernt. Aber das Lesen war anfangs schwierig. Man las "Mä"-"use", anstatt "Mäuse". Irgendwann prägten Sie sich das Wortbild ein. Und heute erfassen Sie das Wort als ein Ganzes und erkennen dessen Sinn quasi auf den ersten Blick.

 

Telegrafie muß beim Lernen also direkt im Sprachzentrum untergebracht werden, will man sie sicher und schnell erlernen. Dazu ist es sogar von Vorteil, die Bedeutung von Punkt und Strich gar nicht zu kennen. Morsen lernt man phonetisch. Und deshalb wird es auch im Sprachzentrum untergebracht.

 

Beim Erlernen lernt man also nicht Strich-Punkt-Strich-Punkt und dessen Bedeutung "Buchstabe C", sondern man lernt die Melodie "daaa-dit-daaa-dit" und weiß OHNE Nachzudenken sofort, dass es sich um den Buchstaben C handelt. Man spart sich also im Kopf den Arbeitsschritt des Dekodierens. Dadurch lernt man schneller, einfacher und kommt zügiger auf hohes Lesetempo. Und dann macht Morsen-Lernen auch richtig Spaß - weil man eben recht fix vorankommt.

Fundstelle

 

 

Erwiderung:

 

"Sprechen haben Sie schnell gelernt."

 

Hier liegt der Autor vermutlich falsch: Kinder verstehen schon mindestens ab dem Krabbelalter recht viel, zum Beispiel "Hol doch mal den Ball." – Allerdings erst im Alter von 1,5 bis 2 Jahren fangen sie zu sprechen an ... und zwar zunächst noch in einer Art, die nur die Eltern verstehen!

 

Bis ein Kind schon gut hör-verstehen und gut sprechen kann, dauert es noch ein bisschen länger.

 

 

 

 

"Sprechen haben Sie schnell gelernt. Aber das Lesen war anfangs schwierig."

 

Die Gegenüberstellung 'Sprechen : Lesen' ist nicht logisch.

 

Richtig wären die Gegenüberstellungen 'passives (Hör-)Verstehen : aktives Sprechen' bzw. 'passives Lesen : aktives Schreiben'.

 

Darüber hinaus werden im Zitat das aktive Sprechen und das passive Lesen unpassend aneinandergereiht.

 

Das Erlernen der 'Mutter-Schreib-Sprache' (Lesen und Schreiben) erfolgt deutlich später als das Erlernen der 'Mutter-Sprech-Sprache' (Hör-Verstehen und Sprechen); denn das Lesen und Schreiben erfordert eine größere geistige (und psychomotorische) Reife. Ein dreijähriges Kind kann deshalb im Normalfall noch gar nicht schreiben lernen! (Ein gerade erst lesekundiges Kind ist aber auch noch nicht ausgereift genug, um zum Beispiel abstrakte mathematische Aufgaben / Algebra lösen zu lernen.)

 

Der Unterschied zum Kind: Der erwachsene Lerner verfügt über größere geistige Fähigkeiten, die er zum Morse-Lernen mit einsetzen könnte! (Meine generelle Aussage in diesem Zusammenhang: "Kinder lernen sehr gut; Erwachsene können noch viel besser lernen! (von Ausnahmen abgesehen)"

 

 

 

"Man las "Mä"-"use", anstatt "Mäuse". Irgendwann prägten Sie sich das Wortbild ein. Und heute erfassen Sie das Wort als ein Ganzes und erkennen dessen Sinn quasi auf den ersten Blick."

 

Das wird sicher auch für die Telegrafie gelten: Erst 'gibt' ('schreibt') und 'hört' ('liest') man die einzelnen Morsezeichen, bevor man ganze Wortbilder erkennen kann.

 

Aber dies ist lediglich das Ergebnis zahlreicher Wiederholungen dieser Wortbilder. - Versuchen Sie doch mal "Desoxyribonukleinsäure" auf Anhieb flüssig zu lesen ...

 

 

 

"Telegrafie muß beim Lernen also direkt im Sprachzentrum untergebracht werden."

 

Vielleicht hat der Autor recht, aber das ist doch so nicht schlussfolgerbar ("also") aus seiner unmittelbar vorangehenden Aussage: "Und heute erfassen Sie das Wort als ein Ganzes und erkennen dessen Sinn quasi auf den ersten Blick." - 'Sprachzentrum' und 'auf den ersten Blick' können in dieser Weise nicht miteinander verknüpft werden!

 

Beim kindlichen Sprechen-Lernen (zunächst nur hör-verstehen - erst später sprechen) gibt es kein Lernen "auf den ersten Blick": Das Hör-verstehen und das Nach-Sprechen geschehen beim Kind sofort in größeren Laut-Blöcken.

 

Das kindliche Schreiben und Lesen ("Blick") ist ein Lernprozess, der erst mehrere Jahre später abläuft. Insofern vermischt der Autor zwei zeitlich weit getrennte und ganz unterschiedliche Prozesse beim kindlichen Lernen.

 

 

 

Ergänzende Überlegung:

 

Interessant scheint mir die Überlegung, ob man das Morse-Lernen eher mit dem Erlernen der Mutter-Sprech-Sprache (erlernt werden nur Klänge / Laute) vergleichen kann oder eher mit dem Erlernen einer Fremdsprache (Laute / Klänge plus Schreibweisen).

 

Das Kind erlernt die 'Mutter-Sprech-Sprache' in ganzen Klangblöcken (Wörtern und Sätzen, zum Beispiel "Mama", aber auch "Komm mal her!". - Keinesfalls lehrt die Bezugsperson die Formulierungen in der Art "kommen, kam, gekommen".

 

Beim Erlernen der Fremdsprache lernt man (meist) in Wort-Blöcken, zum Beispiel Hund – dog, Frau – femme. - Sofern Hören und (Nach-)Sprechen kombiniert mit Lesen und Schreiben geschehen, ist der Lernprozess besonders wirkungsvoll. - Erst zu einem späteren Zeitpunkt lernt man die Fremdsprache nicht mehr unter Zuhilfenahme der anderen Sprache (Muttersprache), sondern innerhalb der betreffenden Fremdsprache.

 

Sollte das Morse-Lernen aber vielleicht eher mit dem Erlernen von Arabisch oder Chinesisch verglichen werden? Wenn es bei Arabisch oder Chinesisch Sinn macht, zunächst die einzelnen Schriftzeichen zu erlernen (langsames / mühsames Lesen und Schreiben), dann könnte dieses Prinzip auch für das Erlernen der Morse-Schrift-Zeichen gelten.

 

Übrigens: Man kann das Erlernen der chinesischen Schriftzeichen mit mnemotechnischen Hilfen drastisch beschleunigen.

 

 

 

Fazit:

 

Nach wir vor bin ich der Meinung, dass der von Gerd Lienemann und mir entwickelte mnemotechnische Ansatz zum beschleunigten Morse-Lernen erfolgreich sein wird, und zwar in der allerersten Phase: beschleunigtes Erlernen der einzelnen 'Schriftzeichen-Bilder'  / Buchstaben (auf einen 'Blick') und der Klänge der einzelnen Morsezeichen.

 

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